Allgemeine Sprechzeiten

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Mittwoch17 – 19 Uhr
Donnerstag11 – 13 Uhr

Essstörungssprechstunde

Dienstag12 – 14 Uhr
Mittwoch17 – 19 Uhr


zusätzliche Termine abends
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Schwangeren- und
Schwangerschafts-
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Trauma- und 
Gewaltsprechstunde

Montag13 – 14 Uhr


Zu allen genannten Zeiten können Sie uns anrufen oder unangemeldet vorbeikommen.

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Fachbereich Trauma und Gewalt

Gewalt:

Das Erleben von Gewalt ist für Frauen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit eines der größten Gesundheitsrisiken. Auch in Deutschland wird jede vierte Frau mindestens einmal im Leben Opfer von Gewalt.

Gewalt gegen Frauen findet alltäglich statt und hat viele Gesichter. Angriffe auf die Würde und körperliche Unversehrtheit gehören auch heute noch zum Lebensalltag von Frauen, wobei der weitaus häufigste Tatort die eigenen vier Wände sind.

Laut einer großen EU-weiten Studie (FRA, 2014) zu Gewalt gegen Frauen mit 42.000 Frauen aller 28 EU-Mitgliedsstaaten, haben in Deutschland 35% aller befragten Frauen seit ihrem 15. Lebensjahr mindestens eine Form von körperlicher und/oder sexueller Gewalt in der Partnerschaft oder durch eine andere Person erfahren. Mehrheitlich wird diese Gewalt von Männern an „ihren“ Frauen ausgeübt und zwar in unterschiedlichsten Formen von Machtausübung und Grenzüberschreitungen, bis hin zu Vergewaltigungen. Trennungs- und/oder Scheidungssituationen beinhalten für die Frauen besonderes Gefahrenpotential. Bei den zwangsläufig involvierten Kindern ist das Erleben einer elterlichen Gewaltdynamik meist ursächlich für gravierende und nachhaltige Folgeschäden.

Je nach biographischer Vorgeschichte und kulturellem Hintergrund gehen Frauen unterschiedlich mit Gewalt um. Scham- und Schuldgefühle stehen vielen dabei im Wege, sich anderen anzuvertrauen und sich Hilfe zu holen. Die daraus resultierende Überlebensstrategie geht für die Betroffene oft mit selbstschädigender Anpassung einher. Durch eine zusätzliche akute Belastungssituation kann dieses lang praktizierte, labile Gefüge außer Kontrolle geraten und neue ausgeprägte psychische und körperliche Folgen zeigen.

Für Menschen, die in Kindheit und Jugend sexualisierte Gewalt im familiären Bereich erfahren haben, hat die Bundesregierung den Fonds Sexueller Missbrauch geschaffen. Betroffene können dort bis zu einem Gesamtbetrag von 10.000 € pro Person finanzielle Hilfen beantragen. Auch für therapeutische Aufarbeitung. 

Mehr Informationen unter: www.fonds-missbrauch.de

Trauma:

Traumata sind charakterisiert durch das Erleben plötzlicher äußerer oder innerer Bedrohung. Sie sind verbunden mit ausgeprägten Gefühlen von Angst, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein.

Es gibt durch „höhere Gewalt“ begründete Traumata wie Unfälle, schwere Schicksalsschläge oder Naturkatastrophen.
Sehr viel häufiger sind sie allerdings durch Menschen verursacht: durch körperliche Misshandlungen, sexualisierte Gewalt, seelische Grausamkeit und/oder schwere Vernachlässigungen. Der dabei entstehende Schock- bzw. Verwirrungszustand überfordert die betroffene Person und führt dazu, dass kognitive, emotionale, und psychomotorische Abwehr- und Anpassungsmöglichkeiten (Kampf oder Flucht) nicht geleistet werden können.
In solchen Extremsituationen reagieren wir Menschen mit Wahrnehmungsveränderungen (Dissoziationen), die das traumatische Geschehen vorerst ausblenden und abspalten. Unbewusste kluge Überlebensstrategien dienen dazu, sich vor Ohnmacht und Schmerz zu schützen. Dies kann sich z.B. äußern in Entfremdungserleben der Umgebung und der eigenen Person oder der Fragmentierung aller Sinneseindrücke, des Alltagsgeschehens, der Affekte und des Denkens.

Ergebnisse der Hirn- und Traumaforschung haben gezeigt, dass es durch traumatische Ereignisse zu hirnphysiologisch bedingten besonderen Verarbeitungen kommt. Traumatische Erfahrungen werden vom Gehirn nicht bearbeitet und integriert wie alltägliche Informationen, sondern in einem gesonderten Gedächtnisspeicher aufbewahrt. Dieses Trauma-Gedächtnis kann jedoch durch Auslösereize wie Gerüche oder Geräusche aktiviert werden, so dass es zur plötzlichen Überflutung mit Trauma-Bildern kommt (Flashbacks). Die oben beschriebene Fragmentierung der Wahrnehmung verhindert dann häufig eine Unterscheidung zwischen Trauma-Erinnerung und der aktuellen realen Situation. Das bewirkt, dass Gefühle von plötzlicher Hilflosigkeit, Sich-nicht-wehren-können, Panikattacken o.ä. auftauchen aber nicht dem ursächlichen Zusammenhang des vergangenen Schreckerlebens zugeordnet werden können.

Häufige Symptome traumatisierter Menschen sind z.B. Schlafstörungen, Ängste, Vermeidungsverhalten, Schreckhaftigkeit und erhöhte Wachsamkeit, zwanghaftes Verhalten, Stimmungsschwankungen und Übererregung. Es kann zu Depressionen, sozialem Rückzug und Suizidgedanken kommen. Auch Essstörungen, Medikamenten-und Alkoholabhängigkeit sowie psychosomatische Symptome können sich in der Folge einstellen. Das Trauma selbst verursacht unter Umständen körperliche Erkrankungen, Verletzungen und Schmerzen.

Die Folgen traumatischer Erlebnisse sind unter dem Begriff der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zusammengefasst. Diese kann einige Wochen bis Monate nach einem Trauma auftreten und bei einem unverarbeitetem Trauma Jahre und Jahrzehnte bestehen bleiben. Je nach dem Schweregrad der Dissoziation gibt es weitere Traumafolgestörungen. Die Dissoziative Identitätsstörung gilt als die ausgeprägteste Form.

Bei in der Kindheit erlebter Gewalt, meist verbunden mit destruktivem Beziehungsverhalten der primären Bezugspersonen, ist die Vertrauensfähigkeit in sich selbst, in andere Menschen und die Welt deutlich geschädigt worden. Die häufige Folge dieser komplexen Traumatisierung wird als Bindungstrauma bezeichnet.

Traumatherapie:

Zur Bewältigung und Heilung traumatischen Erlebens ist es häufig empfehlenswert, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wie wir sie anbieten.Unser traumatherapeutisches Behandlungskonzept basiert auf den Erkenntnissen und Methoden der Psychotraumatologie. 

In der ersten Phase der gemeinsamen Bewältigungsarbeit geht es zunächst darum, dass die Betroffene äußere Sicherheit erlangt und ihre Symptome besser verstehen lernt.
Zudem ist es als Gegengewicht zum traumatischen Geschehen wichtig, eigene Ressourcen und Kraftquellen zu aktivieren und zu stärken. Auch Imaginationsübungen („Wohlfühlort“, „Tresor“…) helfen dabei, sich vor traumanahen Gefühlsüberflutungen zu schützen und  Distanz zum Trauma zu schaffen.
Wenn so der sichere Boden für eine Aufarbeitung einees Traumas bereitet ist, verläuft die Weiterarbeit in individuell dosierter und gesteuerter Form mithilfe spezieller Techniken.
Therapieziel ist es, das Trauma als Teil des eigenen Lebens annehmen zu können und somit das Erlebte in die eigene Biografie zu integrieren. 

Unabhängig von den oben dargestellten Phasen einer Traumatherapie ist es wichtig, genau abzuwägen, ob eine Traumakonfrontation verantwortbar erscheint. Das ist auch nicht immer nötig. Als wesentliche Voraussetzung dafür gilt eine gute Alltagsstabilität, sowie ausreichende Affektsteuerung und die Fähigkeit zur Selbstfürsorge.

Angebote für Frauen mit Trauma- und Gewalterfahrung

Traumasprechstunde:

- Krisenintervention
- Aufklärung zum Gewaltschutzgesetz und Gewaltprävention
- Information zum Fonds Sexueller Missbrauch
- Wissensvermittlung zu Traumata und zum Verständnis von traumabedingten Symptomen
- Hilfe bei Therapieplatzsuche und anderer Unterstützungsmöglichkeiten

Beratung und Therapie bei:

- Traumatisierung durch (sexualisierte) Gewalterfahrung in Kindheit und Jugend
- Posttraumatischen Belastungsstörungen und anderen Traumafolgestörungen
- Gewalt in (Ex)-Partnerschaften („Häusliche Gewalt“), auch von Frauen ausgeübt

Der Besuch unserer Traumasprechstunde ist ein kostenloses Angebot.

Beratung /Therapie kann je nach Situation über eine Antragstellung bei der Niedersächsischen Opferhilfe oder bei dem Fonds Sexueller Missbrauch finanziert werden.

 

 

Fachbereichsleitung:

Anja Schwarz

Diplompsychologin
Systemische Beratung
Traumatherapie

 

 

 

Adresse: Roscherstr. 12 | 30161 Hannover | Tel. 0511 88 59 70 | mail@amanda-ev.de | Impressum | Stand 03.2017

Wir danken für die freundliche Unterstützung durch unsere Förderinnen und Förderer:
Das Referat für Frauen und Gleichstellung der Landeshauptstadt Hannover
Das Team Gleichstellung und der Fachbereich für Soziales der Region Hannover
Das Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie/Verden  
Die Klosterkammer Hannover
Das Land Niedersachsen